SATIRE · BITTE MIT HUMOR GENIESSEN

Das Halbwissen-Kabinett

Eine liebevolle Ausstellung der schönsten Irrtümer rund um künstliche Intelligenz, Google, Agenturen, Baukästen, selbsternannte Gurus und Websites, die sich angeblich von selbst bauen. Eintritt frei, Halbwissen bitte an der Garderobe abgeben.

Saal 1

Die KI macht das schon

In diesem Saal: Menschen, die einem Sprachmodell mehr zutrauen als ihrer Steuerberaterin.

  1. Exponat 1.1 · Aus freier Wildbahn

    „Ich habe die KI gefragt, ob mein Geschäftsplan gut ist. Sie hat ‚Großartige Idee!‘ gesagt. Ich kündige morgen.“

    Der Kurator meint

    Sprachmodelle sind sehr höflich erzogen. Sie würden auch einem Eiscafé am Nordpol „spannendes Potenzial in einer wenig umkämpften Nische“ bescheinigen.

    Die nüchterne Wahrheit

    KI-Assistenten neigen dazu, freundlich zuzustimmen. Für Geschäftsentscheidungen braucht es Zahlen, einen Blick auf den Markt und Menschen, die widersprechen dürfen.

  2. Exponat 1.2 · Aus freier Wildbahn

    „Die KI hat mir eine komplette Website geschrieben. Jetzt muss ich sie nur noch ins Internet kopieren.“

    Meme „KI-Website in fünf Minuten“: links als Erwartung eine fertige, glänzende Website, rechts als Realität ein Chatfenster mit Code und einem Zettel „Und jetzt … ins Internet kopieren?“

    Der Kurator meint

    Der Code liegt seitdem in einem Chatfenster. Dort bleibt er, bis der Browser-Tab in drei Wochen versehentlich geschlossen wird. Das Internet wartet bis heute.

    Die nüchterne Wahrheit

    Zwischen generiertem Code und einer echten Website liegen Domain, Hosting, Impressum, Datenschutz, Tests auf vielen Geräten und jemand, der das Ganze dauerhaft betreut.

  3. Exponat 1.3 · Aus freier Wildbahn

    „KI ist doch nur bessere Autovervollständigung. Und nächste Woche übernimmt sie alle Jobs.“

    Der Kurator meint

    Beide Meinungen werden gern im selben Satz vertreten, oft vom selben Onkel, meistens zwischen Kartoffelsalat und Nachtisch.

    Die nüchterne Wahrheit

    KI ist ein starkes Werkzeug mit klaren Grenzen. Wer sie gezielt einsetzt, arbeitet schneller. Wer ihr blind vertraut, korrigiert später umso länger.

  4. Exponat 1.4 · Aus freier Wildbahn

    „Ich habe der KI gesagt: Mach meinen Beitrag viral. Sie hat ‚Sehr gerne!‘ geantwortet.“

    Der Kurator meint

    Viralität lässt sich leider nicht bestellen wie eine Pizza. Geliefert wurde trotzdem: vierzehn Hashtags, drei Raketen-Emojis und das Wort „Gamechanger“.

    Die nüchterne Wahrheit

    Reichweite entsteht durch Inhalte, die Menschen wirklich etwas bringen, und durch Geduld. Kein Befehl an eine Maschine ersetzt beides.

  5. Exponat 1.5 · Aus freier Wildbahn

    „Ich habe alle Kundendaten in die KI geladen, damit sie mal kurz drüberschaut.“

    Der Kurator meint

    Die Datenschutzbeauftragte hat an dieser Stelle kurz das Bewusstsein verloren. Sie ist inzwischen wieder stabil, spricht aber nur noch in Paragrafen.

    Die nüchterne Wahrheit

    Personenbezogene Daten gehören nicht ungeprüft in fremde KI-Dienste. Erst Rechtsgrundlage und Anbieter klären, dann hochladen, oder es ganz lassen.

Saal 2

Google und seine wundersamen Dienste

Hier ausgestellt: das unerschütterliche Vertrauen, dass Google schon weiß, was gemeint ist.

  1. Exponat 2.1 · Aus freier Wildbahn

    „Ich brauche keine Website. Ich habe doch ein Google-Profil.“

    Meme „Google-Profil oder Website?“: links ein Schild mit Firmenname und Bewertung, „Das ist ein Schild“, rechts ein Haus, „Das ist ein Haus“, darunter „Die meisten Betriebe brauchen beides“

    Der Kurator meint

    Das ist ungefähr so, als würde man das Schild neben der Haustür für das ganze Haus halten. Ein sehr schönes Schild übrigens. Nur wohnen kann man darin schlecht.

    Die nüchterne Wahrheit

    Ein Unternehmensprofil bei Google ist ein wertvoller Eintrag, aber keine Website. Beides ergänzt sich, keines ersetzt das andere.

  2. Exponat 2.2 · Aus freier Wildbahn

    „Platz 1 bei Google hat mir ein Anrufer garantiert. Sehr nett, sehr schnell, sehr günstig.“

    Der Kurator meint

    Der freundliche Herr hatte eine unterdrückte Rufnummer und erstaunlich viel Zeit. Platz 1 war tatsächlich garantiert, allerdings auf seiner eigenen Kundenliste.

    Die nüchterne Wahrheit

    Niemand kann einen bestimmten Platz in den Suchergebnissen seriös garantieren. Wer es trotzdem tut, verkauft vor allem das Versprechen.

  3. Exponat 2.3 · Aus freier Wildbahn

    „Ich habe meine Firma gegoogelt und wir stehen ganz oben. Läuft also.“

    Der Kurator meint

    Die Suchmaschine kennt Ihre Gewohnheiten inzwischen besser als Ihre Familie und zeigt Ihnen gern, was Sie sehen möchten. Ihre Kundschaft sieht womöglich etwas ganz anderes.

    Die nüchterne Wahrheit

    Eigene Suchen sind von Verlauf und Standort geprägt. Aussagekräftig sind neutrale Daten, etwa aus der Google Search Console.

  4. Exponat 2.4 · Aus freier Wildbahn

    „Google Analytics heißt doch, dass Google mein Geschäft analysiert und mir sagt, was ich ändern soll.“

    Der Kurator meint

    Analytics zählt Besuche. Ratschläge zur Unternehmensführung gibt es dort nicht, auch wenn manche Kurve sehr vorwurfsvoll nach unten zeigt.

    Die nüchterne Wahrheit

    Analysewerkzeuge liefern Zahlen. Was daraus folgt, entscheiden Menschen, die das Geschäft kennen. Und für das Messen braucht es die Einwilligung der Besucher.

  5. Exponat 2.5 · Aus freier Wildbahn

    „Google mag Websites, auf denen das Suchwort sehr oft vorkommt. Sehr, sehr oft.“

    Der Kurator meint

    Die Startseite liest sich jetzt wie ein Gedicht über Dachrinnen Passau, Dachrinnen Passau günstig und Dachrinnen Passau sofort. Gelesen hat es nur ein erschöpfter Suchroboter.

    Die nüchterne Wahrheit

    Suchmaschinen belohnen hilfreiche Inhalte für Menschen. Sinnlos wiederholte Begriffe bringen heute eher Nachteile als Vorteile.

  6. Exponat 2.6 · Aus freier Wildbahn

    „Die KI-Antworten oben bei Google nennen meine Firma nicht. Da rufe ich jetzt mal an.“

    Der Kurator meint

    Die Hotline für persönliche Beschwerden an Suchalgorithmen ist seit der Erfindung des Internets besetzt. Bitte bleiben Sie in der Leitung.

    Die nüchterne Wahrheit

    Ob KI-Antworten eine Seite als Quelle nennen, lässt sich nicht erzwingen. Klare, gut gegliederte und vertrauenswürdige Inhalte erhöhen die Chancen.

Saal 3

Die Website, die sich von selbst baut

Der beliebteste Saal des Hauses. Hier warten Websites geduldig darauf, dass jemand anderes sie macht, ohne dass man selbst einen Finger krumm machen muss.

  1. Exponat 3.1 · Aus freier Wildbahn

    „Für Texte und Bilder habe ich keine Zeit. Machen Sie einfach was Schönes.“

    Meme „Auftrag ohne Texte und Bilder“: ein Fenster „Website wird gebaut“ hängt bei 3 Prozent, wartet auf Inhalte vom Kunden, in der Ecke ein Spinnennetz

    Der Kurator meint

    Das Ergebnis wird die schönste Website über ein Unternehmen, über das niemand etwas weiß. Sehr ruhig, sehr elegant und sehr leer.

    Die nüchterne Wahrheit

    Niemand kennt ein Unternehmen so gut wie die Menschen darin. Ein paar Stunden Mitarbeit machen aus einer hübschen Seite eine, die Anfragen bringt.

  2. Exponat 3.2 · Aus freier Wildbahn

    „Das macht meine Nichte am Wochenende. Die ist sehr gut mit dem Handy.“

    Der Kurator meint

    Die Nichte ist großartig. Sie hat ein Baukasten-Abo abgeschlossen, das Logo in einer verspielten Schrift gesetzt und ist dann zum Studium nach Leipzig gezogen. Die Zugangsdaten sind mitgezogen.

    Die nüchterne Wahrheit

    Eine Website braucht jemanden, der auch in zwei Jahren noch erreichbar ist. Familie ist schön, die Zugangsdaten sollten trotzdem beim Unternehmen liegen.

  3. Exponat 3.3 · Aus freier Wildbahn

    „Eine Website macht man einmal und fasst sie dann nie wieder an.“

    Der Kurator meint

    Wie ein Auto, das nie getankt, gewaschen oder zur Hauptuntersuchung gebracht wird. Fährt bestimmt noch. Vermutlich rückwärts in die Vergangenheit.

    Die nüchterne Wahrheit

    Inhalte veralten, Technik entwickelt sich und Gesetze ändern sich. Wer die eigene Website gelegentlich pflegt, bleibt sichtbar und sicher.

  4. Exponat 3.4 · Aus freier Wildbahn

    „Impressum? Datenschutz? Das liest doch keiner.“

    Der Kurator meint

    Doch. Eine bestimmte Berufsgruppe liest beides sehr aufmerksam, mit Lineal, Textmarker und eigenem Briefkopf.

    Die nüchterne Wahrheit

    Pflichtangaben sind in Deutschland Pflicht, nicht Kür. Fehlende oder fehlerhafte Angaben können unangenehm teuer werden.

  5. Exponat 3.5 · Aus freier Wildbahn

    „Machen Sie es wie der große Online-Versandhändler, nur kleiner. Geht das bis Freitag?“

    Der Kurator meint

    Selbstverständlich. Wir beginnen mit dem Warenkorb und arbeiten uns dann zu den Logistikzentren vor. Nur kurz zur Sicherheit: Freitag welchen Jahres?

    Die nüchterne Wahrheit

    Große Plattformen sind über Jahrzehnte mit riesigen Teams gewachsen. Klug ist es, das Wichtigste zuerst zu bauen und danach sinnvoll zu erweitern.

  6. Exponat 3.6 · Aus freier Wildbahn

    „Am Handy schaut sich doch niemand Websites an.“

    Der Kurator meint

    Gesagt am Handy. Mit hoher Wahrscheinlichkeit gerade auch so gelesen.

    Die nüchterne Wahrheit

    Ein großer Teil aller Besuche kommt heute vom Smartphone. Eine Website muss dort zuerst funktionieren und erst danach auf dem großen Bildschirm glänzen.

Saal 4

Der Auftraggeber weiß es besser

Ein Saal mit großem Andrang. Gleich vorweg: Die allermeisten Auftraggeber sind wunderbar. Dieser Saal ist den wenigen gewidmet, die der Fachkraft ihr eigenes Fach erklären, mit viel Überzeugung und erstaunlich wenigen Quellen.

  1. Exponat 4.1 · Aus freier Wildbahn

    „Ich habe mir drei Videos über Webdesign angesehen. Ich weiß jetzt, wie das läuft.“

    Der Kurator meint

    Drei Videos, zusammen elf Minuten, in doppelter Geschwindigkeit. Nach einer Kochsendung eröffnet man ja auch nicht gleich ein Restaurant, aber man hat zumindest eine Meinung zur Soße.

    Die nüchterne Wahrheit

    Videos vermitteln einen ersten Eindruck. Erfahrung zeigt sich bei den Fragen, die darin nicht vorkommen: Recht, Sicherheit, Ladezeit, Barrierefreiheit und Wartbarkeit.

  2. Exponat 4.2 · Aus freier Wildbahn

    „Machen Sie es genau so, wie ich es sage. Sie sind ja nur zum Umsetzen da.“

    Der Kurator meint

    Ein bewährtes Modell, bekannt aus Situationen wie: dem Zahnarzt den Bohrer erklären oder der Pilotin bei der Landung über die Schulter schauen und „etwas weiter links“ rufen.

    Die nüchterne Wahrheit

    Wer eine Fachkraft beauftragt, bezahlt nicht nur Hände, sondern vor allem Erfahrung. Die besten Ergebnisse entstehen, wenn beide Seiten ihr Wissen einbringen: das Unternehmen sein Geschäft, die Fachkraft ihr Handwerk.

  3. Exponat 4.3 · Aus freier Wildbahn

    „Hellgraue Schrift in winzig auf weißem Grund sieht edel aus. Lesbarkeit wird überschätzt.“

    Meme „Design-Wunsch: Bitte edel“: winzige hellgraue Schrift auf weißem Grund, eine Lupe zeigt den Satz „Lesbarkeit wird überschätzt“, darunter „Besucher mit Lupe: 1, alle anderen: schon weg“

    Der Kurator meint

    Edel, ganz ohne Frage. Lesbar für Besucher mit Adleraugen und Lupe. Alle anderen bewundern die Ästhetik respektvoll aus der Ferne und kaufen woanders.

    Die nüchterne Wahrheit

    Gute Lesbarkeit nützt allen Besuchern und damit dem Umsatz. Für viele Online-Shops gelten in Deutschland seit Mitte 2025 zudem gesetzliche Anforderungen an die Barrierefreiheit.

  4. Exponat 4.4 · Aus freier Wildbahn

    „Die Fachfrau sagt, das geht so nicht. Mein Bauchgefühl sagt, das geht.“

    Der Kurator meint

    Das Bauchgefühl hat in diesem Projekt eine beeindruckende Karriere hingelegt: Projektleitung, Gestaltung, Technik und Rechtsabteilung in einer Person. Nur die Haftung wollte es partout nicht übernehmen.

    Die nüchterne Wahrheit

    Bauchgefühl ist wertvoll, wenn es um Geschmack und die eigene Zielgruppe geht. Bei Technik und Recht helfen Fakten mehr als ein gutes Gefühl.

  5. Exponat 4.5 · Aus freier Wildbahn

    „Wozu so viel Planung? Fangen Sie einfach an, die Wünsche kommen dann unterwegs.“

    Der Kurator meint

    Das Haus wird gemauert, während die Bauherrschaft noch überlegt, ob es nicht doch ein Hausboot werden soll. Die Fenster sind schon da, nur die Seite ist noch offen.

    Die nüchterne Wahrheit

    Klare Ziele vor dem Start sparen Zeit und Geld. Änderungen sind jederzeit möglich, werden aber umso aufwendiger, je später sie kommen.

  6. Exponat 4.6 · Aus freier Wildbahn

    „Ich kenne mich aus, ich bin seit zwanzig Jahren im Internet.“

    Der Kurator meint

    Eine beachtliche Zeit. Nach dieser Logik wäre allerdings jeder Mensch mit Führerschein auch Kfz-Meister und jeder Fluggast halbe Pilotin.

    Die nüchterne Wahrheit

    Das Internet zu nutzen und es zu bauen sind zwei verschiedene Disziplinen, so wie Essen und Kochen. Beides verdient Respekt, aber nur eines davon ist ein Beruf.

Saal 5

Willkommen in der Agentur

Gleich vorweg: Es gibt hervorragende Agenturen mit großartigen Teams. Ausgestellt sind hier ausschließlich frei erfundene Exemplare. Jede Ähnlichkeit mit lebenden Agenturen wäre ein bedauerlicher Zufall.

  1. Exponat 5.1 · Aus freier Wildbahn

    „Unser Kick-off-Workshop dauert nur drei Tage. Danach wissen wir, welche Workshops wir noch brauchen.“

    Meme „Kick-off-Workshop, Tag 3“: eine Wand voller Haftnotizen, hervorgehoben ein einziger Zettel „Website → Phase 2“, darunter „Haftnotizen: 400 · Ergebnisse: in Klärung“

    Der Kurator meint

    Am Ende des dritten Tages hängen vierhundert Haftnotizen an der Wand. Auf einer davon steht „Website“. Sie wird für Phase zwei vorgemerkt.

    Die nüchterne Wahrheit

    Gute Vorbereitung lohnt sich. Fragen Sie vorab, was ein Workshop konkret liefert und welchen Teil des Budgets er vom eigentlichen Projekt beansprucht.

  2. Exponat 5.2 · Aus freier Wildbahn

    „Ihr Ansprechpartner ist ab sofort unser neuer Junior-Kundenbetreuer. Er ist noch ganz frisch, aber sehr motiviert.“

    Der Kurator meint

    Beim Pitch saßen noch die Geschäftsführung und zwei Kreativdirektoren mit am Tisch. Seitdem sind sie in einem anderen Pitch.

    Die nüchterne Wahrheit

    Klären Sie vor Vertragsschluss, wer Ihr Projekt tatsächlich betreut und ob diese Person auch nach dem Start erreichbar bleibt.

  3. Exponat 5.3 · Aus freier Wildbahn

    „Eine kleine Textänderung? Sehr gern. Wir eröffnen dafür ein Ticket, das Ticket bekommt ein Unterticket, und in sechs Wochen ist das Komma verschoben.“

    Der Kurator meint

    Das Komma wurde tatsächlich versetzt. Die zugehörige Aufstellung ist zwei Seiten lang und enthält ein Abstimmungsmeeting zur Kommasetzung.

    Die nüchterne Wahrheit

    Fragen Sie vorab, wie kleine Änderungen abgerechnet werden und ob Sie Inhalte selbst pflegen können.

  4. Exponat 5.4 · Aus freier Wildbahn

    „Die Website gehört natürlich Ihnen. Zugangsdaten, Hosting und Quellcode bleiben nur aus technischen Gründen bei uns.“

    Der Kurator meint

    Sie besitzen also ein Haus, dessen Schlüssel beim Bauträger hängt. Besuche sind nach Terminvereinbarung möglich, werktags zwischen zehn und elf.

    Die nüchterne Wahrheit

    Lassen Sie sich Domain, Zugänge und Nutzungsrechte schriftlich zusichern. Ein Wechsel des Dienstleisters sollte jederzeit möglich bleiben.

  5. Exponat 5.5 · Aus freier Wildbahn

    „Wir denken ganzheitlich, crossmedial, agil und disruptiv. Was wir genau liefern? Das ist eher ein Mindset.“

    Der Kurator meint

    Das Angebot umfasst elf Seiten Haltung und eine halbe Zeile Leistungsbeschreibung. Die halbe Zeile lautet „und vieles mehr“.

    Die nüchterne Wahrheit

    Ein gutes Angebot sagt klar, was geliefert wird, bis wann und zu welchen Konditionen. Schlagworte ersetzen keine Leistungsbeschreibung.

  6. Exponat 5.6 · Aus freier Wildbahn

    „Dazu kommt die monatliche Pauschale fürs Monitoring. Was wir überwachen? Den Eingang der Pauschale.“

    Der Kurator meint

    Jeden Monat kommt ein Bericht, dass alles bestens läuft. Er ist so beruhigend formuliert, dass ihn seit Jahren niemand mehr geöffnet hat.

    Die nüchterne Wahrheit

    Laufende Verträge sind sinnvoll, wenn klar ist, welche Leistung jeden Monat erbracht wird. Fragen Sie nach Kündigungsfristen und konkreten Berichten.

Saal 6

Baukästen und das Versprechen vom Wochenende

Baukästen haben ihren Platz, und viele Menschen sind damit zufrieden. Ausgestellt sind hier nur erfundene Werbeversprechen, die beim genauen Hinsehen ein wenig kleiner werden.

  1. Exponat 6.1 · Aus freier Wildbahn

    „In fünf Minuten zur eigenen Website!“

    Der Kurator meint

    Stimmt. Danach beginnen die fünf Wochen, in denen man herausfindet, warum das Menü auf dem Handy über dem Logo schwebt.

    Die nüchterne Wahrheit

    Baukästen sind für einfache Vorhaben eine gute Wahl. Vor dem Start lohnt ein Blick auf Grenzen bei Gestaltung, Ladezeit, Datenschutz und einem späteren Umzug.

  2. Exponat 6.2 · Aus freier Wildbahn

    „Das erste Jahr kostet fast nichts!“

    Der Kurator meint

    Das zweite Jahr hat davon erfahren und ist leicht verstimmt. Hinzu kommen Zusatzmodule für Dinge, die man für selbstverständlich hielt.

    Die nüchterne Wahrheit

    Rechnen Sie die Gesamtkosten über mehrere Jahre, inklusive Erweiterungen. Einstiegsangebote sind selten der Dauerpreis.

  3. Exponat 6.3 · Aus freier Wildbahn

    „Über achthundert Vorlagen zur Auswahl!“

    Der Kurator meint

    Die Vorlage „Modern Business 4“ ist besonders beliebt. Bei drei Betrieben in derselben Straße.

    Die nüchterne Wahrheit

    Vorlagen sparen Zeit. Wer sich von anderen abheben möchte, braucht trotzdem eigene Inhalte, eigene Bilder und eine klare Botschaft.

  4. Exponat 6.4 · Aus freier Wildbahn

    „Umziehen zu einem anderen Anbieter? Selbstverständlich! Ihre Texte können Sie jederzeit kopieren. Einzeln.“

    Der Kurator meint

    Das Exportformat heißt „Kopieren und Einfügen“. Es hat sich über Jahrzehnte bewährt und kommt ganz ohne Schnittstelle aus.

    Die nüchterne Wahrheit

    Prüfen Sie vor dem Start, ob und wie sich Inhalte exportieren lassen. Bei manchen Systemen ist ein Umzug aufwendiger als gedacht.

  5. Exponat 6.5 · Aus freier Wildbahn

    „Suchmaschinenoptimierung inklusive! Einfach das Häkchen setzen.“

    Der Kurator meint

    Das Häkchen ist gesetzt. Die Suchmaschine hat es bislang nicht bemerkt.

    Die nüchterne Wahrheit

    Technische Grundlagen helfen, aber Sichtbarkeit entsteht vor allem durch gute Inhalte und laufende Arbeit.

Saal 7

Gurus, Coaches und der Anruf um 8:03 Uhr

Es gibt großartige Beraterinnen und Berater. Dieser Saal ist den erfundenen anderen gewidmet: jenen mit dem gemieteten Sportwagen im Profilbild und dem Kalender voller „Erfolgsgespräche“.

  1. Exponat 7.1 · Aus freier Wildbahn

    „Ich mache Sie in dreißig Tagen zum Marktführer. Mein Kurs kostet nur einen Bruchteil Ihres künftigen Umsatzes.“

    Der Kurator meint

    Der Kurs besteht aus siebenundvierzig Videos, in denen jemand vor einem gemieteten Sportwagen erklärt, wie wichtig frühes Aufstehen ist.

    Die nüchterne Wahrheit

    Seriöse Beratung verspricht keine Wunder in festen Fristen. Fragen Sie nach Referenzen, die sich überprüfen lassen.

  2. Exponat 7.2 · Aus freier Wildbahn

    „Guten Morgen, ich rufe wegen Ihres Google-Eintrags an. Der ist in großer Gefahr.“

    Meme „Montag, 8:03 Uhr“: ein Handy zeigt einen Anruf von einer unbekannten Nummer, daneben der Stempel „Platz 1 bei Google, garantiert“ mit dem Kleingedruckten „auf seiner eigenen Kundenliste“

    Der Kurator meint

    In Gefahr war vor allem die Frühstückspause. Der Anrufer hatte ein Formular, eine Frist und ein auffällig dringendes Hintergrundrauschen.

    Die nüchterne Wahrheit

    Seien Sie bei unaufgeforderten Anrufen, die sich auf Google berufen, vorsichtig. Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen und prüfen Sie Ihren Eintrag selbst.

  3. Exponat 7.3 · Aus freier Wildbahn

    „Ich bin Social-Media-Experte. Ich habe vierzigtausend Follower.“

    Der Kurator meint

    Die meisten davon sind in einer Region aktiv, in der man das Unternehmen weder kennt noch beliefert. Sie liken trotzdem zuverlässig, jede Nacht um drei.

    Die nüchterne Wahrheit

    Reichweite allein sagt wenig. Entscheidend ist, ob die richtigen Menschen erreicht werden und daraus Anfragen entstehen.

  4. Exponat 7.4 · Aus freier Wildbahn

    „Ihre Website braucht dringend einen Relaunch. Angesehen habe ich sie mir nicht, aber das braucht jede.“

    Der Kurator meint

    Ein Angebot nach dem Gießkannenprinzip. Es erreicht zuverlässig auch Betriebe, die ihre neue Website erst vergangene Woche bekommen haben.

    Die nüchterne Wahrheit

    Eine gute Empfehlung beginnt mit einer Analyse. Wer ohne Blick auf die Seite einen Relaunch anbietet, verkauft vor allem einen Relaunch.

  5. Exponat 7.5 · Aus freier Wildbahn

    „Unsere KI-Agentur wurde letzten Dienstag gegründet. Wir haben zwanzig Jahre Erfahrung, wenn man die der KI mitzählt.“

    Der Kurator meint

    Das Logo wurde generiert, der Slogan ebenso, und auf dem Teamfoto hat eine Person sechs Finger. Die Begeisterung ist dafür echt.

    Die nüchterne Wahrheit

    Fragen Sie nach echten Projekten und den Menschen hinter dem Angebot. KI kann Erfahrung unterstützen, aber nicht ersetzen.

Das kleine Halbwissen-Lexikon

Begriffe, wie sie am Stammtisch erklärt werden, und wie sie tatsächlich gemeint sind.

Algorithmus
Laut StammtischEin launischer Herr bei Google, der morgens schlecht gelaunt Platzierungen verteilt.Laut WirklichkeitEine Rechenvorschrift. Launen hat sie keine, dafür sehr viele Kriterien.
Cloud
Laut StammtischEine Wolke, in der die Urlaubsfotos schweben, bis es regnet.Laut WirklichkeitRechenzentren mit sehr festem Boden, betrieben von Unternehmen, denen man die Daten anvertraut.
Cookie
Laut StammtischEin Keks, den die Website anbietet. Aus Höflichkeit sagt man Ja.Laut WirklichkeitEine kleine Datei im Browser. Für viele davon braucht es Ihre ausdrückliche Einwilligung.
Responsive
Laut StammtischDie Website antwortet, wenn man sie anspricht.Laut WirklichkeitDie Website passt sich jeder Bildschirmgröße an, vom Handy bis zum großen Monitor.
SEO
Laut StammtischEin Zauberspruch, den man einmal aufsagt, und dann kommen die Kunden.Laut WirklichkeitLaufende Arbeit an Inhalten, Technik und Glaubwürdigkeit. Wirkt, aber nicht über Nacht.
Prompt
Laut StammtischDas geheime Passwort, mit dem die KI endlich das Richtige tut.Laut WirklichkeitEine Anweisung an die KI. Je klarer, desto besser. Eine Garantie ist sie trotzdem nicht.
Domain
Laut StammtischDie Website selbst.Laut WirklichkeitNur die Adresse. Das Haus dahinter muss trotzdem noch gebaut werden.
Hosting
Laut StammtischWenn jemand Gäste zum Grillen einlädt.Laut WirklichkeitDer Ort, an dem die Website gespeichert ist und von dem aus sie ausgeliefert wird.
Backup
Laut StammtischMacht das Internet doch automatisch.Laut WirklichkeitEine Sicherungskopie, die jemand bewusst anlegt und regelmäßig auf Funktion prüft.
Baukasten
Laut StammtischDie Website ist in zehn Minuten fertig.Laut WirklichkeitDie erste Version, ja. Die zehnte Stunde kommt meistens später, ebenso die Grenzen.
Pitch
Laut StammtischEin Wettbewerb, bei dem das beste Team gewinnt und danach ein anderes Team arbeitet.Laut WirklichkeitEine Präsentation, mit der sich Dienstleister um einen Auftrag bewerben. Fragen Sie, wer danach tatsächlich arbeitet.
Agil
Laut StammtischMan plant nichts und nennt es Methode.Laut WirklichkeitEine Arbeitsweise in kurzen, überprüfbaren Schritten. Gut gemacht spart sie Umwege, schlecht gemacht nur das Planen.
Monatspauschale
Laut StammtischGeld, das jeden Monat leise verschwindet, damit alles so bleibt, wie es ist.Laut WirklichkeitEine laufende Vergütung für vereinbarte Leistungen. Sinnvoll, wenn klar ist, was dafür jeden Monat passiert.

Meeting-Bingo zum Mitnehmen

Für die nächste Besprechung zum Thema Website. Wer zuerst eine Reihe voll hat, ruft bitte nicht „Bingo“, sondern lächelt und sagt: „Gute Idee, das notiere ich mir.“

  • „Können wir das nicht mit KI machen?“
  • „So schwer kann das doch nicht sein.“
  • „Wie bei der Konkurrenz, nur besser.“
  • „Das Logo muss größer.“
  • „Kann das nicht einfach viral gehen?“
  • „Mein Neffe meint …“
  • „Google findet uns nicht.“
  • „Das muss bis gestern fertig sein.“
  • „Wir brauchen eine App. Wofür? Egal.“
  • „Modern, aber nicht zu modern.“
  • „Ist das schon im Internet?“
  • „Nur eine ganz kleine Änderung …“
  • „Bitte noch etwas mehr Pep.“
  • „Knalliger, aber dezent.“
  • „Die KI hat aber was anderes gesagt.“
  • „Können Sie mal kurz …“

Und jetzt im Ernst

Hinter jedem Exponat steckt ein echtes Missverständnis, das Zeit, Geld und Nerven kostet. Wer die eigene Website lieber gleich richtig angehen möchte, bekommt bei mir eine ehrliche Einschätzung, ganz ohne Halbwissen und ohne Bingo.

Kuratiert mit echtem Fachwissen und einer kräftigen Prise Selbstironie.

Häufig gestellte Fragen

Schnelle Antworten auf die wichtigsten Fragen

Nach dem Erstgespräch erstelle ich ein detailliertes Angebot mit Festpreis. Nach Angebotsannahme und 30 % Anzahlung beginnt die Entwicklung in Meilenstein-basierten Schritten. Sie erhalten regelmäßige Updates und können jederzeit Feedback geben.
Eine einfache Website dauert 2-4 Wochen, Business-Websites 3-6 Wochen, komplexe Web-Apps 8-12 Wochen. Die genaue Dauer hängt vom Umfang und Ihren individuellen Anforderungen ab.
Der Preis richtet sich nach Ihren individuellen Anforderungen und gewünschten Features. Sie erhalten vorab ein transparentes Festpreis-Angebot ohne versteckte Kosten – und für ein professionelles Ergebnis brauchen Sie keine Agenturpreise zu zahlen. Fragen Sie unverbindlich an – ich berate Sie gerne.
Ja. Für bestehende Shopify-Stores und moderne Websites entwickle ich individuelle Teillösungen (z. B. Custom Sections und Komponenten) – oder komplett neue Websites und Shops, je nachdem, was für Ihr Projekt am sinnvollsten ist. Veraltete Systeme wie WordPress betreue ich bewusst nicht.
Nur, wenn es im Angebot vereinbart ist. Mit der Abnahme endet der Auftrag; Betreuung darüber hinaus gibt es nur, wenn sie im Angebot steht. Dort sind dann auch Dauer, Umfang und Kosten festgehalten. Ihre gesetzlichen Gewährleistungsrechte bleiben davon unberührt. Auch nach Projektende biete ich Leistungen auf Anfrage zu fairen Stundensätzen an; größere Funktionserweiterungen werden als separates Projekt kalkuliert.
Ja! Bund und Länder bieten je nach Region und Programm attraktive Förderungen für Digitalisierungsprojekte. Wichtig: Der Antrag muss meist VOR Projektstart eingereicht werden. Ich berate Sie gerne zu den Möglichkeiten und unterstütze bei der Antragstellung.
Ich nutze KI-Tools für Routine-Aufgaben (Boilerplate-Code, Dokumentation), treffe aber alle strategischen Entscheidungen selbst. Jeder Code wird von mir geprüft, getestet und optimiert. Sie erhalten keine generische KI-Lösung, sondern durchdachte Software mit menschlicher Expertise.
Frontend: React, Next.js, TypeScript, Tailwind CSS. Backend: Node.js, REST APIs, Authentifizierung & Caching. Datenbanken: PostgreSQL, MySQL, Supabase, Prisma. Shop-Systeme: Shopify und Shopify Liquid. Die Technologie wird stets auf Ihr Projekt abgestimmt.
Ja – Vor-Ort-Termine sind deutschlandweit möglich. Die Beratung selbst ist kostenfrei; es fällt lediglich eine einmalige Anfahrtspauschale (brutto, inkl. MwSt.) nach Entfernung an: bis 150 km 69 €, über 150 km 119 €, über 300 km 179 €. Remote-Termine per Video-Call sind selbstverständlich kostenfrei.

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